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Heute schon ein Minarett gebaut?

Das Volk hat gesprochen, durch eine gemeinsame Entscheidung, namentlich: die schweizer Volksinitiative “Gegen den Bau von Minaretten”.
Nun ist es beschlossene Sache: in der Schweiz dürfen keine Moscheen mehr mit Minaretten versehen werden. Minarette, diese “Speerspitzen schleichender Islamisierung”. Mit solchen oder so ähnlichen Sprüchen auf den Lippen kann man auch hierzulande zuhauf Menschen finden (man denke nur an die hässliche “pro-Köln”-Kampange). Es bleibt zu überlegen inwiefern unkritisch Volksentscheide in Demokratien zu sehen sind, die derart eklatant von Ideologien durchzogen sind, dass sogar in der “neutralen Schweiz” sich knapp zwei Drittel der Bürger gegen ein bestimmtes Symbol einer als bedrohlich angesehenen Religion entscheiden.

Hier muss das BrimboriaInstitut einhaken: Diese Beschreibung ist unseres Erachtens unvollständig. Offensichtlich entschieden diese Leute nicht nur über den Bau eines bestimmten Turms. Es handelt sich hierbei insbesondere um fremde Türme. Es ist ja nicht so das die Gotteshäuser des Christentums denen des Islams besonders nachstehen müssten, was übertriebenen Prunk oder ungewöhnliche Architektur angeht.
An solche Anblicke ist der gemeine Bürger allerdings gewöhnt. Doch wo Moschee dransteht sind nämlich meist Ausländer drin, so geht es also froh und munter an die Verteidigung des Abendlandes, was bei Lichte gesehen auch nicht viel mehr als ein konstruiertes Kollektiv ist, (wie immer inklusive mannigfaltiger Kultur und weitreichenderGeschichte). Dieses Kollektiv lässt sich dann auch perfekt als Schablone für bekanntalso gut und fremd also schlecht benutzen.
Da ist es dann auch Essig mit der “mannigfaltigen Kultur”, im Namen des Volkes ergeht folgendes Urteil: Minarette abbauen. Dass es sowieso einen substantiellen Verstoß gegen jede Religionsfreiheit darstellt Teile eines Gotteshauses zu verbieten, muss hier nicht näher erläutert werden.

Ganz zum Thema passend und aus der Reihe “Subversive Protestformen in der Adventszeit” hat das BrimboriaInstitut einen ganz besonderen Bastelspass für die kalten Stunden aufstöbert:
Das Genfer Atelier “Dirtyhands” hat einen sehr schicken Bogen gestaltet, der sich hervorragend eignet um das eigene Dach/Fensterbrett zu gestalten und zur aktuellen Debatte Stellung zu beziehen.

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Wer dabei auf den Geschmack gekommen ist, sollte sich am besten gleich für denWettbewerb des Online-Mags Archinect bewerben. Gesucht sind Ideen für mobile Minarette, genaueres erfährt man auf der Website.

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Via.

Nachtrag:
Der Geschäftsführer einer schweizer Schuhladenkette hat ein Minarett auf einem Dach des Firmengeländes errichten lassen.
Selbst gebaut sieht es zumindest aus.

Bilder: Dirtyhands – Atelier de sérigraphie. 2009; archinect. 2009