Kategorie-Archiv: Satire in Theorie und Praxis

Satire_Thesen_672px

Thesen über Satire als angewandten Punkrock

1.
Die Provokation ist in der Krise!
Längst von Marketingagenturen adaptiert, versucht sich heute vor allem die bürgerliche Rechte in deren Ausübung und agitiert gegen alles, was vermeintlich politisch korrekt erscheint. Linke Bewegungen haben dagegen das Mittel der Provokation fast vollständig verlernt und beschäftigen sich lieber mit hippieskem Hedonismus und sprachkritischen Zärtlichkeiten.
Wir sind die Antwort auf diese Krise!

2.
Der Hauptmangel rechter Provokation ist ihre Humorlosigkeit. Bürgerliche Rechte und Nazis sind weder sexy noch witzig. Ihr Kalkül mit vermeintlichen Tabubrüchen ist so durchschaubar wie öde, ihr Geschrei um vermeintliche Zensur erbärmlich.

3.
Satirische Provokation im Namen der Emanzipation schießt nicht nach unten. Sie schießt nach oben: Auf die gesellschaftlichen Verhältnisse und die Charaktermasken, die sie hervorbringen.
Wir blicken nach oben herab und lachen euch in Grund und Boden!

4.
Satirische Provokation heißt Angriff – und wenn sie nicht weh tut, macht man etwas nicht richtig. Satire arbeitet destruktiv, sie will den Gegenstand ihres Angriffes vernichten. Um den politischen Gegner an der richtigen Stelle anzugreifen, muss man ihn ernst nehmen! Satireproduzentinnen und -produzenten muss klar sein, wie ihr Angriffsziel tickt.

5.
Ist es Aufgabe der Satire, initiative Lösungsvorschläge zu formulieren?
NEIN! NEIN! NEIN!
Sie ist Kritik. Kritik des Bestehenden ist der Zweck, Satire das Mittel. Gegenvorschläge sollen andere bieten: Die Forderung, nur unter Bezug auf konkrete Alternativen Kritik üben zu dürfen, ist der jämmerliche Versuch, sich der Kritik nicht zu stellen.

6.
Gesellschaftliche Veränderung entsteht durch Arbeit an Widersprüchen. Jede Pointe ist eine formulierte Erkenntnis. Satirisch arbeiten heißt, Dinge zusammenzubringen, die auf den ersten Blick nicht zusammengehören. Widersprüche aushalten, sie dem Publikum hinwerfen und Widerspruch provozieren. Satirische Provokation kommuniziert nicht offensiv, dass sie satirische Provokation ist. Tut sie es, so beraubt sie sich selbst jeder Wirkung.

7.
Satirische Aktionsformate leben von guten Bildern. Bildgewalt bedeutet Öffentlichkeit, bedeutet Wirkung. Zielvorgabe ist stets, in einer Situation das beste Bild zu erzeugen. Auf internationalem Parkett lebt Satire von guten Bildern, die auch ohne Sprache zugänglich sind.

8.
Der juristische Handlungsspielraum muss für die Produktion klar sein. Interessant wird es in der Grauzone. Hier gilt es, die Grenzen der Legalität auszuloten. Wird ein Aktionsformat institutionell untersagt, ist dies als Erkenntnisgewinn zu feiern.

9.
Die Frage nach den Grenzen von Satire ist nervtötend und langweilig, aber auch ein Indikator des eigenen Erfolges. Sie kann derzeit, wenn überhaupt, von ihren Produzentinnen und Produzenten beantwortet werden: Die Grenzen unserer Satire sind die Grenzen unserer Geduld. Wenn wir nicht mehr lachen können, dann werden wir eben schreien. Bis es so weit ist, machen wir Satire.

10.
Wir rufen unserer Bewegung zu: „Macht euch bereit zum Marsch auf die Institutionen!“ – Macht und Geld sind in dieser Gesellschaft grundsätzlich zu begrüßen, denn sie bedeuten größere Bühnen.

Wir rufen vor zur Polizeisperre: „Wir sind Künstler, lasst uns durch!“. Das bürgerliche Sakrament der Kunstfreiheit ist dem Verständnis von Satire als angewandten Punkrock dienlich.

Wir rufen hoch zum Balkon des Hotel Abgrund: „Wenn ihr schon nicht zur Party runterkommt, lehnt euch wenigstens zurück und genießt die Show!“

11.
Die Satiriker haben die Welt nur verschieden persifliert,
es kommt darauf an, sie zu verändern.

 

BRIMBORIA Institut
DADA Budapest
Die Front Internationale
Front Deutscher Äpfel
Ungarische Knoblauchfront

2014

_____________________________________________

Thesen über Satire als angewandten Punkrock – die Slideshow!

These über Satire als angewandten Punkrock: Seite 1Seite 2Seite 3 - einzeln!

Thesen über Satire als angewandten Punkrock – das JPEG!

Satire_Thesen_2000px

Thesen über Satire als angewandten Punkrock – das PDF!

Satire_Thesen_672px

Der Text “Thesen über Satire als angewandten Punkrock” erschien zuerst in dem Buch Max Upravitelev (Hg.): Front Deutscher Äpfel – Das Buch zur Bewegung, Fruehwerk Verlag, 2014.

Front Deutscher Äpfel – Das Buch zur Bewegung (II)

Apfelfront_Titelbild_Vorarbversion_800px

Soeben hat uns eine aktuelle Pressemitteilung zur Crowdfunding-Kampagne des Apfelfront-Buches erreicht, die wir an dieser Stelle veröffentlichen wollen:

Die Apfelfront feiert dieses Jahr ihr 10-jähriges Jubiläum!  Das bedeutet 10 Jahre satirischer Aktionsarbeit gegen Nazis und Nationalismen – und das nicht nur auf bundesweiter, sondern seit Jahren auch auf europäischer Ebene. 

Aus diesem Anlass ist ein Buch entstanden:  “Front Deutscher Äpfel – Das Buch zur Bewegung” . Hier finden Sie zum einen die Auseinandersetzung mit vergangenen Aktionen und Ablegern der Bewegung, wie beispielsweise die Entstehungsgeschichte zahlreicher Gaue und der Ungarischen Knoblauchfront. Zum anderen haben wir und andere intelligente Köpfe uns theoretisch mit der Satirebewegung auseinandergesetzt. Von der theaterwissenschaftlichen Perspektive über satirische Interviews hin zu Gesprächsprotokollen über die Subversivität der Apfelfront – hier werden aktivistische Gemüter und Elfenbeinturmhocker gleichermaßen fündig.

Allerdings ist das Buch erst zu 50% finanziert.  Ziel ist es, mithilfe der “Crowdfunding”-Kampagne auf  http://www.startnext.de/apfelfront  alle Druckkosten, die für dieses Hochglanzbuch benötigt werden, vorzufinanzieren. Als Dank winken zahlreiche Prämien, unter anderem selbstverständlich das  Buch  selbst, das auf diesem Wege  vorbestellt werden kann .

Weiteres über das Buchprojekt, unsere Autorinnen und Autoren (u.a. Alain Bieber und Martin Sonneborn!) und den Kaufbefehl unseres geliebten Führers erfahren Sie in der ausführlichen Pressemitteilung weiter unten. Dort finden Sie auch die Kontaktdaten unseres Pressesprechers.

Vielen Dank für Ihr Interesse.
Heil Boskop!

Pressemitteilung
Führerbefehl: Unterstützen Sie das nationalste Buchprojekt aller Zeiten!

Die Front Deutscher Äpfel feiert dieses Jahr ihr 10-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass hat sich die Bewegung entschlossen, ein Buch über sich selbst herauszubringen. Nun fordert Alf Thum, Mitbegründer und Führer der Apfelfront, dazu auf, das Krautfunding-Vorhaben zur Finanzierung des nationalsten Buchprojektes aller Zeiten tatkräftig zu unterstützen:

Der Führerbefehl:  

„Front Deutscher Äpfel – Das Buch zur Bewegung“  ist ein dokumentarisches Handbuch, welches intimste Einblicke in das Leben an der Apfelfront liefert, Praxistipps weitergibt und den Zusammenhang von Politik und subversiver Kunst bespricht. Im Band sind Texte von unterschiedlichen Autorinnen und Autoren versammelt, der Herausgeber und Apfelfrontler der ersten Stunde Max Upravitelev liefert dazu den erzählerischen Rahmen.

Die 10 Jahre Apfelfrontgeschichte werden in dem unterhaltsamen Kompendium durch Interviews, satirische Beiträge und Photographien näher beleuchtet. Hinzu kommen Beiträge, welche die “Nationale Initiative gegen die Überfremdung des deutschen Obstbestandes” theoretisch und praxisbezogen auswerten und historisch einordnen. Mit diesem Buch widmet sich die Apfelfront neben anverwandten künstlerischen Projekten aus den eigenen Reihen auch der sagenumwobenen Geschichte der Ungarischen Knoblauchfront.

Selbstverständlich wird aber auch ausführlich auf die eigene Arbeit zurückgeblickt: Aktive aus der Heimatstadt der Bewegung Leipzig sowie Aktive aus den zahlreichen Gauen der Republik kommen zu Wort. Sie berichten über Aktionen, interne Streitigkeiten und geben Tipps & Tricks, wie man sich eigentlich auf Demonstrationen gegenüber Nazis, Staatsmacht und Medien verhält und sich am besten in Szene setzt.

—-

Das Buch versammelt Beiträge von und mit:

Ulrich Berger, Alain Bieber, Dieter Daniels, Veronika Darian, Leo Fischer, Sebastian Jabbusch, Marcel Klotz, Veronika Kopf, Armin Langer, Tilman Loos, Robin May, Linnéa Meiners, Sandro Odak, Markus Ohm, Tom Rodig, Henry Rudolph, Martin Sonneborn, Alf Thum, Fernando Wawerek und Gregor Zocher.

Erscheinen wird das Buch im gemeinnützigen Fruehwerk Verlag, der auf Non-Profit-Basis arbeitet. Sämtliche Einnahmen werden zur Deckung der anfallenden Kosten verwendet. Das Buch wird von einem Projektseminar der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) Hildesheim, Fakultät Gestaltung, unter Leitung von Prof. Dominika Hasse gestaltet.

—-

Um das Buch zu realisieren, hat der geliebte Führer den Kaufbefehl gegeben. Nicht nur kann der geneigte Leser als Unterstützung das Buch quasi vorbestellen. Auch haben wir ein Füllhorn an praktischen Utensilien und Artefakten der Apfelfront im Prämienkatalog. Vom Demoflyer über hochwertige Siebdruck-Plakate bis hin zur (sonst unverkäuflichen!) Apfelfrontarmbinde finden Sie bei uns alles; sogar die Unterbringung von Logos im Buch und die Freisprechung aller Sünden live durch den Führer zur offiziellen Jubiläumsfeier am 28. November in Leipzig wird angeboten.

Die Kampagne läuft noch 41 Tage – Unterstützen Sie die Apfelfront!

http://www.startnext.de/apfelfront

Front Deutscher Äpfel

Front Deutscher Äpfel – Das Buch zur Bewegung

Die Front Deutscher Äpfel will dieses Jahr ein Buch über sich selbst herausgeben – und das BRIMBORIA Institut hat kräftig mitgewerkelt. Dazu später mehr.

Derzeit befindet sich das “nationalste Buchprojekt aller Zeiten” in der Finanzierungsphase der Crowdfunding-Kampagne und freut sich über tatkräftige Untersützung!

Parallel dazu hat die Gestaltung des Buches bereits begonnen, sich mit der Visualisierung des Inhalts auseinanderzusetzen. Heute wurde von der Apfelfront ein erster Vorgeschmack  auf ein mögliches Titelbild des Buches veröffentlicht:

Apfelfront_Buch_Titelbild

Front Deutscher Äpfel – Das Buch zur Bewegung“ ist ein dokumentarisches Handbuch, welches intimste Einblicke in das Leben an der Apfelfront liefert, Praxistipps weitergibt und den Zusammenhang von Politik und subversiver Kunst bespricht. Im Band sind Texte von unterschiedlichen Autorinnen und Autoren versammelt, der Herausgeber Max Upravitelev liefert dazu den erzählerischen Rahmen.

Bei diesem glorreichen Vorhaben unterstützt wurden wir durch spannende Beiträge und gewitzte Unterhaltungen von und mit:

Ulrich Berger, Alain Bieber, Dieter Daniels, Veronika Darian, Leo Fischer, Sebastian Jabbusch, Marcel Klotz, Veronika Kopf, Armin Langer, Tilman Loos, Robin May, Linnéa Meiners,
Sandro Odak, Markus Ohm, Tom Rodig, Henry Rudolph, Martin Sonneborn, Alf Thum, Fernando Wawerek und Gregor Zocher.

Unterstütz’ die Apfelfront! http://www.startnext.de/apfelfront/

NPD (No Police District) Connewitz

Satiregate Leipzig: “NPD-Connewitz” kurz vor Entzug der Spaßlizenz!

Sonst für ihre gut gelaunte Schreibe bekannt, beklagt die Pressestelle der Polizei Leipzig in einer Mitteilung wehleidig die aus ihrer Sicht viel zu diffusen Grenzen von Satire:

Kurt Tucholski [sic] stellte einst die in der Überschrift aufgeworfene Frage und antwortete: „Alles.” Schade, dass er die Fragen nach dem Wer und Wie nicht so eindeutig beantwortet hat.

Was war passiert?

In Leipzig-Connewitz wurde vor kurzem eine Polizeistelle eröffnet. Wer von Connewitz schon mal etwas gehört hat, befürchtete sicherlich schon wieder das Schlimmste: Straßenschlachten, durch gewaltbereite Chaoten besetzte Polizeibüros, und wer weiß, vielleicht sogar die ein oder andere umgetretene Mülltonne.

Vergangenen Freitag zeigte sich überraschend ein anderes Bild: Die Szene versammelte sich tatsächlich vor der neu eingerichteten Polizeidirektion. Anstatt der befürchteten Krawalle wurde aber auf ein anderes Mittel der politischen Auseinandersetzung gesetzt: Satire. Das kam alles andere als gut an.

Als verantwortlich für die Aktion zeigte sich die Bürgerinitiative “No Police District Connewitz”, kurz NPD Connewitz. Sie inszenierte sich als besorgter Mob mit Heugabeln vor dem neuen Polizeibüro und informierte die Eindringlinge, dass sie in ihrer Nachbarschaft nicht erwünscht seien.

Dabei hielt ein Pulk von ungefähr 200 Menschen selbstgebaute Papier-Fackeln in die Luft, freute sich über die vielen pointierten Sprüche aus den eigenen Reihen und lachte über die selbstironische Rede, die über das Megaphon verlesen wurde, um alle Akteure des Geschehens aufs Korn zu nehmen. Die Stimmung war ausgelassen, jünge Familien mischten sich unter die Demonstrierenden.

Spätestens da hätte auffallen müssen: Es ging bei dieser Aktion selbstverständlich nicht um die Einschüchterung von irgendeinem mickrigen Polizeibüro. Es ging um die Karikatur eines Bürgermobs und den Hinweis, wie blind die Polizei sich gerade in Leipzig regelmäßig bei Ermittlungen in der Naziszene anstellt.

Bürgerinitiativen sind in letzter Zeit vor allem als eins bekannt geworden: Als Protestplattformen für Nazis und bürgerliche Rechte, sei es gegen den Moscheenbau in Leipzig-Gohlis oder gegen eine Unterkunft für Asylbewerber_innen in Leipzig-Schönefeld. Sie sind allesamt Beispiele einer neuen NPD-Strategie, die bei ähnlichen Protesten letztes Jahr in Berlin-Marzahn zum ersten Mal aufkam.

Insbesondere in Leipzig entstanden in diesem Umfeld widerwärtige Aktionen. So wurden im letzten Herbst auf der Baustelle der geplanten Moschee in Gohlis Schweinköpfe auf Holzpfäle aufgespießt.

Leipzig hat ein Naziproblem. Dagegen gilt es anzukämpfen. Die Aktion der “NPD-Connewitz” war ein erfrischend anderes Mittel, um auch mal die Polizei direkt auf die Missstände aufmerksam zu machen, in welchen marginalisierte Menschen dieser Stadt leben. Dass diese Intention nicht durchdrang, ist nicht den Veranstalter_innen anzulasten. Wenn eine satirische Aktion mit theatralen Requisiten, vorbereiteten Redebeiträgen und sogar einer offiziellen Anmeldung in der Tasche im Nachgang als Krawallveranstaltung verkauft wird und ihr kommunizierter, politischer Anspruch nicht einmal eine Erwähnung findet, dann ist der Vorgang vielmehr bezeichnend für die völlige Ignoranz seitens Polizei und Bürgertum.

Das alles spricht unter anderem für ein sehr fragwürdiges Verständnis von Satire. Aus diesem Grund hat die Gründungsgeneration der Front Deutscher Äpfel, eines anderen Satireformates aus Leipzig, eine Pressemitteilung aufgesetzt, die im Folgenden dokumentiert wird:

Pressemitteilung: Gründer der Apfelfront melden sich bezüglich Satire-Debatte in Leipzig zu Wort

Im Rahmen einer satirischen Aktion im Statdteil Connewitz kochen in Leipzig die Wogen hoch. Jetzt melden sich auch Alf Thum, seines Zeichens Erfinder und „Führer“ der aus Leipzig stammenden „Front Deutscher Äpfel“, einem bundesweit bekannten Satire-Projekt gegen Rechts, sowie zwei weitere Mitbegründer zu Wort.


„Wenn ich anderen Eltern aus dem Kindergarten meines Sohnes erzähle, dass ich manchmal in Connewitz auf Partys oder Veranstaltungen bin, fragen die immer besorgt nach, ob man da denn nicht dauernd überfallen, verprügelt oder einem das Auto angezündet wird – soweit Connewitz als stadtbekanntes Klischee. Findet dann eine noch nicht barrikadenbewährte Satireaktion statt, gibt es sofort Aufregung mit dem Tenor: ‘Dürfen die das?’ Doch es ist zentrales Element von Satire, mit Überspitzungen, Ironie und haltlosen Behauptungen zu arbeiten. Es mit einer satirischen Demoaktion immer allen Recht zu machen ist nicht möglich. Denn Satire spaltet, ist nicht für jeden gleichermaßen lesbar und ist letztlich immer ein wenig riskant und Geschmackssache. Satire arbeitet sich gern an Autoritäten ab. Ich finde es unnötig, dass nun Politiker und Funktionäre meinen, sich über einen allgemein gültigen Satirebegriff verständigen zu müssen. Ich fordere ultimativ alle Beteiligten mit dem Hinweis: ‘Es ist Karnevalszeit!’ auf, sofort die Empfindlichkeiten einzustellen.“, sagt Alf Thum, Gründer der Apfelfront.

Tilman Loos, mittlerweile selbst aktives LINKE-Mitglied ergänzt: „Ich habe selbst noch nie eine Demo besucht, auf der ich alles was gerufen worden ist, hätte unterschreiben können. Das ist auch weder im Vorfeld planbar noch vor Ort umsetzbar. Die Anmelderin für jeden Vorfall auf und nach der Kundgebung in Haftung zu nehmen, geht meilenweit an der Realität solcher Veranstaltungen vorbei. Das weiß aber eigentlich jeder.“, sagt Tilman Loos.

Dass es gerade bei satirischen Auftritten im öffentlichem Raum immer wieder zu Irritationen kommt, kennt Tilman Loos noch von der Apfelfront. Dieses Satireprojekt gegen Rechts hatte weit über Leipzig hinaus ab 2004 für Aufsehen gesorgt. Tilman Loos, damals einer der Mitbegründer des Projekts, sagt dazu:

„Auch bei den Auftritten der Apfelfront ist es immer wieder passiert, dass Teile des Publikums das Ganze entweder nicht verstanden haben oder deutlich über das Ziel hinausgeschossen sind. Damit muss man leben, wenn man solcherlei Aktionen macht. Nicht nur beim Essen sondern auch bei der Kunst gilt bekanntlich: Geschmäcker sind verschieden.“, sagt Tilman Loos.

Max Upravitelev, der selbst aus Berlin angereist war um die Aktion zu beobachten, ergänzt: „Die Aktion war eindeutig stark auf die Situation in Schönefeld und die rassistische Stimmungsmache dort gemünzt. Der neue Polizeiposten in Connewitz war selbst nur Vorwand, eine willkommene Requisite. Es ist seltsam, dass dies offensichtlich kaum jemand verstanden hat. Wer wie ich vor Ort war hätte übrigens auch deutlich wahrnehmen können, dass im gehaltenen Redebeitrag eine ganz gehörige Portion Selbstironie der linken Szene enthalten war. Kunst im öffentlichen Raum ist immer auch ein Experiment. Aber es muss möglich sein, neue Aktionsformate zu erproben. Dass nun ausgerechnet ein Kulturpolitiker das alles nicht versteht, ist allerdings wirklich komisch im wahrsten Sinne des Wortes.“, so Max Upravitelev.

Völlig absurd wird die Geschichte übrigens durch ein halbes Spezial in der heutigen Printausgabe der konservativen Leipziger Volkszeitung. Ausgerechnet in diesem Rahmen hielt es sogar der Stadtvorstand der Partei “Die Linke” für nötig, gegen eine gelungene Aktion und aktive Mitglieder der eigenen Partei zu wettern. Absurder wird es nicht. Aber hoffentlich kann man wenigstens an dieser Stelle erwarten, dass nach der öffentlichen Denunziation auch eine Entschuldigung folgt.

Photo: Alexander Böhm

Front_Manifesto_EN

Neues von der Front

Die Front Deutscher Äpfel ist wieder da! Aufgrund unserer regen Beteiligung an diesem Projekt, dokumentieren wir an dieser Stelle einige ausgewählte Links mit Informationen zum Comeback der “einzigen wirklich nationalen Bewegung Deutschlands”:

1. Zunächst ein Artikel von ER zu den aktuellen Entwicklungen:

ER – Front Deutscher Äpfel zurück im Schützengraben

2. Die redaktionelle Arbeit der FDÄ Online Redaktion wurde aufgenommen und ist unter der altbekannten Adresse zu finden:

www.apfelfront.de

3. Das Hauptmotiv der wiederaufgenommenen Arbeit ist die internationale Ausrichtung des gesamten Projektes.

Nach dem sich in Ungarn die Ungarische Knoblauchfront gegründet hat, sollen weitere Fronten von gleichem Format eröffnet werden. Hierzu wurde ein Manifest geschrieben und mittlerweile ins Englische übersetzt:

Front Deutscher Äpfel – Front Manifest (DE)

Front Deutscher Äpfel – Front Manifest (EN)

Neuigkeiten der Apfelfront, anstehende Termine sowie hin und wieder Stellungsnahmen zu aktuellen Anlässen finden sich unter www.apfelfront.de.