Kategorie-Archiv: Alltag & Poesie

BRIMBORIA Institut @ Orbanistan

Kurzes Update: Das BRIMBORIA Institut beteiligt sich an einem Austauschprojekt mit linken Aktivisten aus und in Ungarn. Vor einem Tag sind wir von einem Vorbereitungstreffen in Budapest wieder angekommen und werden die Tage über das gesamte Projekt sowie linke Aktivitäten dort vor Ort berichten.
Als Appetizer wollen wir an dieser Stelle schon mal einen kleinen Eindruck dokumentieren, welche Hürden linke Politik in Ungarn so vor sich sieht.

Unter den fünf verbotenen Symbolen im Orban Regime befindet sich unter anderem:

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Was dagegen völlig cool ist:

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- mehr die Tage!

BRIMBORIA Collective feat. Linni Riefenstahl – Putin Riot

In Zeiten, die sich durch Mars-Besuche und Riot Grrrls auszeichen, setzen wir uns idyllisch in den Garten um himmelshoch zu jauchen. Noch ölen wir die Scharniere des totalen Systems, aber immerhin erscheinen erste hauchzarte Risse. Nicht dass diese auf uns zurückzuführen wären. Wie ein berühmter Dichter sagte “Das System ist das System”. Daher fügt sich das BRIMBORIA Collective (BC) im Verbund mit Linni Riefenstahl unumwunden und widerspruchslos in die Maschinerie der Kulturindustrie ein und findet den Jogginganzug von Usain Bolt ganz phantastisch. Genauso wie seine Kabeltrommel. Unserer fachlichen Einschätzung nach, gehört die Produktion beider Waren umgehend verstaatlicht.
Wenn das System in seinen Grundzügen zu wanken beginnt – wir wanken kräftig mit. Tötet Skyler White!

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Das subversive Potential des Zombies

Bild: Szene aus George A. Romero’s “Night of the Living Dead”, 1968

Im Kontext des bereits erwähnten Untoten-Kongress, nun eine Erörterung der Figur des Zombies:

Zu Anbeginn jedes denkbaren Zombieszenarios steht die Umwälzung alles Bestehenden. Einer Plage gleich kommt die Invasion untoter Körper über die Welt, hochinfektiös und meist in Verbindung mit einer sehr kurzen Inkubationszeit. Die Auswirkungen sind meist so verheerend, dass ein Großteil der Betroffenen (schätzungsweise immer so 98% der Menschen in einem bestimmten Gebiet) entweder sabbernd und oder Blut kotzend durch die Landschaft röchelt. Je nach Zombie-Konzeption auch rennt. In jedem Fall kann man meist von einem Umsturz aller bestehenden Verhältnisse sprechen¹.

Die eine Frage, die das Auftreten der untoten Bedrohung aufwirft, ist die nach dem Verhalten der Überlebenden. Dabei ist es meist der Fall, dass zwar demographisch eine mächtige Zäsur zu verzeichnen ist, aber in keiner Weise das Verhalten der AkteureInnen, ihre Organisationsformen untereinander irgendwie überraschend wären. Nahrung sammeln, romantische Potentiale ausloten, Waffen putzen, Eigentum verteidigen². Den Noch-Menschen kommt aus nahe liegenden Gründen (Lebendkörperfresserinvasion) nicht der Gedanke „He, schöner Neustart! Wie wäre es mit einer befreiten Gesellschaft?“. Die Apokalypse der Untoten markiert auch vielmehr das Ende allen gesellschaftlichen Daseins. Der Zusammenbruch jeder Infrastruktur und Herrschaft wirft die Menschheit zurück in tribale Verhältnisse. So gehört zu jeder Post-Zombie Community der entsprechende Häuptling (z.B. der örtliche Sheriff), ein beträchtlicher Prozentsatz von Alten, Kranken und Kindern, die das Überleben denkbar erschweren und eine Belastung darstellen, das gutaussehende Frauchen (geringe Überlebenschance) das auch noch tough ist (gute Überlebenschance), sowie ein irrer Waffennarr. Also eigentlich alles wie gehabt in der modernen Industriegesellschaft. So betrachtet ist das Zombieszenario nichts anderes als eine moderne Robinsonade.
Und da ist das Problem: wie der Wirtschaftswissenschaftler, der der modernen politischen Ökonomie durch Inselszenarien ihre Naturwüchsigkeit nachweisen will, können Zombieapokalypsen kein wirklich adäquates Licht auf die Zukunft und die Möglichkeit einer befreiten Gesellschaft werfen.

Etwas anders ist es mit der Frage nach dem Zombie selbst. Seine Herkunft ist in der Regel etwas obskur, erklärt durch entweder biblisch: die Hölle ist voll, oder biologistisch: Veränderung der Zellstruktur, Wutvirus etc.³ Wichtig hierbei: der kommt Zombie metaphysisch mit Notwendigkeit nach dem Menschen. Immer wird der Mensch zum Zombie. Dieser Sachverhalt ist ein Hinweis darauf, dass all das, was den Zombie ausmacht im Menschen bereits enthalten ist. Was der Zombie nur nicht hat ist die Fähigkeit ein gesellschaftliches Dasein zu führen. Damit wird der Untote zum Imperativ für die menschliche Sozietät. Nun kann solch eine Sozeität ja alles Mögliche beinhalten. Hier wird der Zeitraum des Erscheinens des modernen Zombies interessant, nämlich die entwickelte Industriegesellschaft (bevorzugt USA). Ein Zombieszenario in Bangladesh widerspräche dem Zombiebegriff. Der Zombie hat ein explizites Ziel: der Mensch im entwickelten Kapitalismus westlicher Bauart. Der subversive Imperativ, der dann daraus folgt:

Ändert die Gesellschaft, die Zombies kommen!

Fußnoten:
¹ Ganz im Gegensatz zu der anderen popkulturellen Untoten-Großgruppe: der Vampire. Die agieren eher klandestin, machen sich rar, saugen hier und da mal eine Jungfrau aus und pflegen ansonsten ihre Schlösser (F.W. Murnau: Nosferatu) oder Erörtern das Thema ‚Sex mit Menschenweibchen’ (Twilight). Summa summarum keinerlei subversives Potential. Ausnahmen bilden vielleicht der goldene Nazi-Vampir und die Serie ‚True Blood’.

² Hierbei dürfte die Verteidigung des Eigentums das logisch dämlichste sein. Gibt es denn noch eine Staatsmacht die Eigentum ins Werk setzt/ dann auch garantiert? Unwahrscheinlich. Nach Zombieinvasionen ist oft weniger vom bürgerlichen Staat übrig, als nach einem atomaren Erstschlag zu Kalter-Krieg-Zeiten.

³ Interessant wird es wenn man sein Verhalten betrachtet, insbesondere bei Romeros „Dawn of the Dead“ schlurfen die Untoten zurück in das Einkaufszentrum, einfach weil sie dort in ihrem (früheren) Leben immer schöne Stunden erlebt haben.

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Die Untoten. Life Sciences & Pulp Fiction

Wann ist ein Leben zu Ende? Wann beginnt es? Und wer bestimmt darüber?

 

Bevor wir mit den Vorträgen fortfahren, im Folgenden ein kleiner Veranstaltungshinweis. Vom 12. – 14. Mai wird in Kampnagel (Hamburg) unter der künstlerischen Leitung von Hannah Hurtzig ein Initiativprojekt der Kulturstiftung des Bundes stattfinden: Es handelt sich dabei um „Die Untoten. Life Sciences & Pulp Fiction“, einen Kongress mit Inszenierung. In typischen Sets der Produktion des Untoten (Hospital, Friedhof, Labor) werden Gespräche, Vorträge, Präsentationen und Experimente ablaufen und die naturwissenschaftlichen, medizinethischen, politischen und popkulturellen Diskurse anregen, die mit der Frage nach Leben, Tod und ihren Grenzen einhergehen. Ein Blick lohnt sich bereits auf die Liste der ReferentInnen (Bruce LaBruce stellt seinen neuen Zombiefilm vor!) – dabei sind unter anderem auch Georg Seeßlen, Joseph Vogl und Klaus Theweleit, um mal willkürlich eine handvoll Highlights herauszupicken.

Das sieht nach ganz großem Brimborium aus und wir freuen uns schon wie Bolle.

Für uns als BRIMBORIA Institut ist die Frage nach der popkulturellen Bedeutung des Untoten, besonders natürlich des Zombies von Interesse – immer im Hinblick auf sein subversives Potential. Dazu folgt hier in Kürze ein Beitrag von uns. Auf der Website zum Projekt www.untot.info erscheinen übrigens in regelmäßigen Abständen Texte zum Thema. Wer sich interessiert, sollte mit http://www.untot.info/13-0-1968-Braindead.htmleinsteigen und im Mai nach Hamburg kommen. Wir sind auf jeden Fall da.

Bild: “CAT” by David Shrigley, 2007, www.untoten.info

Warum es richtige Kritik und falsche gibt…

.. und wohin letztere führen kann, illustriert dieses Zitat aus dem Jahre 1986 ganz deutlich:

“… Im übrigen fängt Kritik nicht damit an, daß sie an sich die kri­tische Frage stellt, ob sie weitergeht, praktisch und konstruktiv ist. Sie beginnt damit, daß man sich Rechenschaft ablegt darüber, woher all das kommt, was man als Belästigung und Schaden wahr­nimmt. Wer auf das bißchen Ursachenforschung verzichtet, vertut sich womöglich im Engagement, sucht sich Ort, Zeit und Adressat wie Gegner seiner Bemühungen verkehrt aus. Dann vergeht seine Ju­gend, und er war in Gorleben zelten, hat seine Zeit im Frauenbuchladen verplempert und Grüne gewählt, während die Klassengesellschaft funktioniert, daß es kracht.”
(Die Klassen (II), MSZ – Gegen die Kosten der Freiheit)

Via

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Vorwürfe an die blau-gelben Musterschüler

Wie der Eine oder die Andere BeobachterIn schon mitbekommen hat, halten wir, das Institut für Brimboriaforschung nicht allzuviel von bürgerlichen Ideologien. Da trifft es sich gut, dass die Speerspitze wirtschaftsliberalen Mumpitzes sich gerade ganz schön in die Nesseln setzt. Kaum wurde bekannt, dass die Damen und Herren von der (nennen wir das Übel beim Namen) FDP irgendwie ganz undurchsichtige Spendengeschichten aus der Hotelbranche am laufen haben, bricht die Welle der Häme sich Bahn.

Die Titanic versieht ihre Homepage-Titelseite mit entsprechendem FDP-Spendenformular (siehe oben).

Auch die Spassmacher von “extra3″ lassen sich nicht lumpen und inszenieren eine Pressekonferenz, bei der sie als FDP-Sprecher auftreten und schlussendlich verkünden “Ja, wir sind eine Klientelpartei.”

Das ist alles wiedereinmal schön mitanzusehen und schiesst auch in die richtige Richtung. Die Frage die bleibt ist: besitzt das womit geschossen wurde seine Daseinsberechtigung? Die geäusserte Kritik an dem Verfahren der FDP läuft, man kennt das schon vom Bankertum, auf moralische Urteile über die bösen Funktionäre hinaus, die unfeine Sachen gemacht haben. Sie seien es, die “unsere” schöne Wirtschaftsordnung kaputtmachen(“jeder ist seines Glückes schmied” und so).
Daher hört man sicherlich auch Beschwerden aus den eigenen Reihen der Liberalen. Ungerecht gehe es zu, so könne man das nicht machen. Dabei ist man sich einig.

“Die Reichen werden reicher, die Armen zahlreicher.” Faktum. Nur sollte man dabei nicht vergessen, dass dies keine Unregelmäßigkeit darstellt. Das ist der menschgemachte Gang der kapitalistischen Dinge. Spendenaffären hin oder her.

Via/Via

burning car

Arien und Autowracks

Freude schöner Götterfunken!

Der Skulpturenpark Berlin_Zentrum feiert am Sonntag Premiere seiner Oper deren Akteure unter anderem brennende Autos darstellen.
Während eines frostigen Wintermonats säumen sieben ausgebrannte Limousinen das frisch erschlossene Bauland entlang der Kommandantenstrasse, das unter anderem als zukünftiges Dolce Vita-Quartier beworben wird. Aus den verkohlten Autowracks tönen Arien in die klirrend kalte Luft.[...]Der gesamte Park wird zur Bühnenkulisse, die vielschichtige Bilder und Symbole rund um Abwertungsketten und Aufwertungsbestrebungen bereit stellt. Anwohner können von den Logenplätzen auf ihren Balkonen aber nicht nur inszenierte Ideenträger sehen. Auf der winterlichen Lichtung reihen sich Menschen um ein wärmendes Feuer, verspeisen ein Wildschwein und trinken heißen Wein. Land’s End erzählt die Geschichte urbaner Transformationsprozesse, wie sie in Metropolen passiert.
Was bei dieser Aktion, von künstlerischer Form bedeckt, reflektiert wird, ist der landläufig als “Gentrifizierung” bezeichnete Vorgang. Die “Bonzen” kommen in ein abgehalftertes aber dennoch [sozialromantische Verklärung hier einsetzen] Viertel, um es aufzuwerten, Mieten in die Höhe zu treiben und Latte-Cafés aus dem Boden zu stampfen.
Ein unschönes Phänomen, das ist es unzweifelhaft. Doch sollte man vorsichtig sein mit falschen Urteilen über “die Bonzen” mit ihren Bonzenkarren, die man am ehesten, um ein gesellschaftliches Fanal zu setzen, in die ewigen Jagdgründe zu schicken hat (die Karren, nicht die Bonzen).
Brennende Autos sind plötzlich in aller Munde. Über die Legitimität lässt sich trefflich streiten. Um es nochmal zu betonen: es kann nicht das Ziel noch sinnvoll sein Einzelpersonen für die notwendig ablaufenden Prozesse dieser Wirtschaftsordnung verantwortlich zu machen (wie z.B. das Streben eines Einzelkapitals nach mehr Profit, was im Falle eines Hausbesitzers durch Mieterhöhung ins Werk gesetzt wird). Dann kann man auch anfangen “den Bonzen” Buckel und Hakennasen anzudichten. Vielleicht aber lenken brennende Autos doch etwas Aufmerksamkeit auf die Problematik einer zunehmenden Verdrängung von Menschen aus ihren sozialen Umfeldern, sprich Wohnvierteln.
Um auch um der Atmosphäre willen nicht immer selbst Hand anlegen zu müssen, hier noch eine Empfehlung für die kalten Tage, ein Kaminfeuer der besonderen Art:

Burning Car from Superflex on Vimeo.

Wer allerdings tatsächlich was an seinem Mietpreis verändern will, der sollte noch heute aktiv mit der Abwertung seines eigenen Hauses beginnen. Wie das geht zeigen die Menschen von es regnet kaviar in diesem Video:

Die Menschen vom Skulpturenpark dagegen sind mit ihrer Auto-Oper eher noch in einem künstlerischen Kontext zu verorten. Nichtsdestotrotz eine schöne Herangehensweise an das populistisch so überladene Thema “Brennende Autos”.

Chapeau!

Via

insignia

Einmischung per Technik, state of the art: Graffiti Research Lab

Kaum jemand schafft es, den öffentlichen Raum auf so hohem Niveau der Technik zu bespielen und gleichzeitig diverse
Fenster zu öffnen, die es erlauben miteinander zu kommunizieren. Die Devise lautet:

Outfitting graffiti artists with open source technologies for urban communication

Genau das wird getan und zwar auf enorm kreative Art und Weise. Das Institut für Brimboriaforschung möchte hier drei Beispiele für die Arbeit des GRAFFITI RESEARCH LAB geben und zum Nachmachen, Selbermachen, Bessermachen anregen.

1. L.A.S.E.R Tag

Was man benötigt sind ein Beamer, ein Laptop, eine Kamera und ein Laserpointer. Die Kamera wird auf eine beliebige Wand gerichtet und sendet das aufgenommene Bild an den Rechner. Dort wird das Bild von dem Projektor wieder an die Wand geworfen. Sobald vom Laserpointer gezogene Linien an der Wand auftauchen, nimmt die Kamera diese Linien wahr und ein vom GRL programmiertes Open Source Programm lässt den Beamer die Linien an die Wand werfen.
Riesige, “handgemalte” Projektionen werden damit möglich, wie hier zu beobachten:


2. Throwies

An Einfachheit im Verhältnis zum erreichten Effekt sind die “Throwies” (zu dt. vielleicht “Werflinge”) kaum zu toppen. Eine oder mehrere LEDs an eine Knopfzellenbatterie angeschlossen, werden sie an einen Magneten geklebt.
Die Wurfgeschosse haften dann an diversen metallischen Oberflächen, wie zum Beispiel Brücken, Wänden oder Strassenbahnen. Großartig vor allem, weil völlig Unbeteiligte in das Geschehen eingebunden werden können, die nie daran denken würden im urbanen
Raum Ursache von Kunst zu sein.

3. Eye Writer

Ein wirklich grandioses Stück Technik, das ALS-Patienten ermöglicht per Bewegung der Pupille zu malen. Das Ganze ist für weniger als 50$ zu realisieren, so GRL. Hier benutzt der Graffiti-Writer Tempt das Gerät:

The Eyewriter from Evan Roth on Vimeo.

Einen Überblick über einen großen Teil der Arbeiten des GRL bietet die “Complete First Season”. Das Video ist kostenlos per Torrent herunterzuladen und stellt eine äußerst empfehlenswerte Sammlung der Arbeiten und ihrer Entstehung/Anwendung dar.

Und nun geht raus und spielt mit eurer Umwelt!

Bild: http://graffitiresearchlab.com

Sexismus via tagesschau.de

Was passiert, wenn man empirische Sozialforscher von der Leine lässt kann man gerade ganz wunderbar bei diesem tagesschau.de Artikel nachlesen.

Zunächst kam also das Experiment. Eine These wird aufgestellt und deren Richtigkeit durch die Wiederholung des Versuches mit verschiedenen Probanden untersucht. Kann ja auch nützlich sein, so eine Herangehensweise, wäre nur besser, wenn die These auch theoretisch fundiert ist und kein bürgerlicher Aberglaube wie in diesem Falle (These: Mann kann besser Einparken als Frau).

Das verblüffende und völlig überraschende Ergebnis: Frau braucht nicht nur länger sondern steht dann auch noch total schief.

Und nun kommen die Empriker zum Einsatz. Wie deutet man das denn jetzt? Die Antwort ist ganz klar, Frauen sind für sowas schlicht nicht in der Lage, aufgrund ihrer Biopsychologie und so. So schnell werden aus sozialen Konstrukten vollkommen natürliche Tatsachen geschafft.

Mal ganz abgesehen davon, dass es sich bei dieser ganzen Untersuchung um bloßen Positivismus handelt – so ist dieser Unsinn aber leider nicht nur Alltagsschrott, den man gar nicht zur Kenntnis nehmen sollte. Es ist sexistische Kackscheiße, die über eines der größten deutschsprachigen Nachrichtenportale verbreitet wird.

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Herz und Verstand bei der Deutschen Post

Die Furcht der CDU sitzt naturgemäß tief: böse, böse Kommunisten, die sich unter Vortäuschung von Demokratiefreundlichkeit in die Parlamente schleichen um dort ihre Pläne zur Errichtung eines neuen Unrechtsstaats durch Agitation und Populismus zu verwirklichen. Solche oder ähnliche Gespenster müssen im Kopf des Stadtverordneten Hans Heuser der CDU-Fraktion im Frankfurter Römer rumgespukt haben, als er von „Post-Kommunisten“ im Parlament gesprochen hat. Die Linke-Fraktion wunderte sich und schließt absolut folgerichtig, dass „Herr Heuser nur Kommunisten mit einem Dienstverhältnis bei der Deutschen Post AG gemeint haben kann.“ Daraufhin wird nachgehakt und ein Dokument der Frankfurter Pressestelle zugestellt, die den Sachverhalt aus Sicht der Linken wiedergibt.

Dort reagiert man leicht verwundert, nimmt die Sache mit Humor und wagt sogar den „Versuch einer philosophischen Annäherung“:

Wer als Achtzehnjähriger kein Kommunist ist, hat kein Herz. Wer aber mit vierzig Jahren immer noch kein Kommunist ist, hat keinen Verstand.

Da es bei der Frankfurter Post sowohl Menschen mit Herz als auch mit Verstand gebe, seien doch wohl einige Kommunisten unter den Mitarbeitern, vermutet der Pressesprecher.

Die Reaktion ist umso bewundernswerter, als dass die Post immerwieder Kritik von linken UmweltschützerInnen, Hackern und anderen SpassmacherInnen einstecken musste.
Anfang der 80er gab der Bundespostminister und Geschäftsführer des Batterieherstellers „Sonnenschein“ Christian Schwarz-Schelling häufig Anlass zu Fakes. Überliefert ist dieser damals sehr beliebte Aufkleber:

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aus: „Dieses Buch ist pure Fälschung“, hrsg. v. P. Huth u. E. Volland, FfM, 1989

Er spielt auf die eher umweltunfreundlichen Machenschaften der „Accumulatorenfabrik Sonnenschein GmbH“ an.

Des weiteren gelangte das von R. Schrutzki entworfene „Pesthörnchen“ zu einiger Berühmtheit als Logo des „Chaos Computer Clubs“.

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Quelle: www.schrutzki.net

Es karikiert das alte Bundespostlogo und gilt heute noch als Logo des CCC(übrigens ursprünglich entworfen für den „FoeBuD e.V.“, bekannt für seine kreativen und subversiven Umtriebe)

In Anbetracht dieser Kritik stimmt es doch froh zu sehen, dass die Post doch kein soreaktionärer Haufen ist wie immer angenommen.

Chapeau!