Kritik der Konsumkritik

Keine Besprechung, eher Randnotiz anlässlich des Erscheinens von Harald Welzers „Der Konsumismus kennt keine Feinde“ in Blätter für internationale Politik.

Konsumkritik ist ausschließlich idealistische Gesellschaftskritik, nicht mehr. Sie fängt in ihrer Analyse einfach falsch an. Das Grundproblem am Kapitalismus ist nicht, welche Güter wie konsumiert werden. Das Problem ist, wie sie produziert werden. Die Produktion erfolgt im Kapitalismus auf Basis von Spekulation. Und nein, damit sind selbstverständlich nicht nur Spekulationen im Finanzsektor gemeint.

Jeder Bäcker spekuliert jeden Morgen darauf, wie viele Brötchen wohl verkauft werden. Jeder Verlag produziert Auflagen von Büchern, ohne zu wissen, wie viele denn eigentlich gebraucht werden und jede Fernsehsendung wird zuerst produziert und dann eingestellt, wenn sie nicht genügend Einschaltquoten bringt.

Überproduktion ist innerhalb der kapitalistischen Produktionsweise unvermeidlich. Sie ist eingrenzbar durch Marktforschung, aber sie ist unvermeidlich.

Umso enttäuschender, dass Harald Welzer in seinem Artikel „Der Konsumismus kennt keine Feinde“ (erschienenen in Blätter für internationale Politik) nicht eben dies thematisiert, sondern bei Konsumkritik stehen bleibt. Es ist wirklich bedauerlich, da seine Perspektive eigentlich sehr sympathisch ist – er prophezeit, dass innerhalb kapitalistischer Verhältnisse die Menschheit sich selbst in Zukunft stark dezimiert, weil sie ihre eigenen Lebensgrundlagen zerstört.

Aber die Verhältnisse erscheinen ihm als ungeheure Ansammlung von Waren und bei dieser Erscheinung bleibt er stehen. Anstatt sich mit dem Wesen dieser Erscheinung zu befassen, kritisiert er einzelne Güter und beschwert sich über das Bedürfnis nach dem „noch flacheren Fernseher“ und „die noch fernere Fernreise“. Das ist zu wenig, gerade aufgrund der von ihm ja völlig zu Recht attestierten Dringlichkeit der Umstellung menschlichen Wirtschaftens.

Daneben Wachstumsstreben zu kritisieren, ist innerhalb dieser Verhältnisse wenig hilfreich: Es gibt kein Null-Wachstum, sondern nur Wachstum oder Stagnation. Und Stagnation sollte man in diesen Verhältnissen niemandem wünschen, es sei den man vertritt die Verelendungstheorie.